Unfall mit dem Mietroller: 30.000 Baht kommen sofort – und dann wird es teuer
Stand 08/2026 · Thailand
Es passiert selten spektakulär. Ein Pick-up biegt ohne Blinker ab, du bremst auf nassem Asphalt, der Roller legt sich hin. Du stehst wieder, der Unterarm blutet, der Lenker steht schief. Innerhalb von zwei Minuten sind zehn Leute da, und jemand sagt einen Satz, den du nicht verstehst, aber sinngemäß immer gleich ist: Du zahlst.
Der Artikel Roller in Pattaya erklärt, was du brauchst, um überhaupt fahren zu dürfen, und was eine Kontrolle kostet. Dies hier ist die Fortsetzung, die niemand liest, bevor sie gebraucht wird: was passiert, wenn es schon passiert ist.
Die Grundlage, die das Auswärtige Amt in zwei Sätzen liefert
In den Reise- und Sicherheitshinweisen zu Thailand (Stand der Seite 15.08.2026, inhaltlich unverändert seit 07.07.2026) stehen zwei Angaben, die zusammengehören. Erstens: Die Zahl tödlicher Verkehrsunfälle ist sehr hoch, 70 Prozent der Opfer sind Zweiradfahrer. Zweitens: Besonders Motorräder sind teilweise weder haftpflicht- noch kaskoversichert.
Der zweite Satz ist der teurere: Du bewegst dich in der Fahrzeugklasse mit dem höchsten Risiko und kannst nicht davon ausgehen, dass hinter dem Fahrzeug unter dir eine Versicherung steht.
Was immer da ist: die Pflichtversicherung
Für jedes bei der thailändischen Zulassungsbehörde registrierte Fahrzeug – Auto wie Motorrad – ist eine Pflichtversicherung vorgeschrieben. Sie heißt nach dem zugrunde liegenden Gesetz Por Ror Bor, dem Gesetz zum Schutz von Opfern von Kraftfahrzeugunfällen von 1992. Ohne sie zu fahren ist mit Geldstrafe bis 10.000 Baht bedroht, und der Halter bekommt die jährliche Steuermarke nicht.
Sie ist keine Versicherung in dem Sinn, in dem du das Wort aus Deutschland kennst. Sie deckt ausschließlich Personenschäden und zahlt in zwei Stufen.
| Leistung | Betrag je Person | rund |
|---|---|---|
| Vorschuss ohne Schuldprüfung: tatsächliche Behandlungskosten | bis 30.000 Baht | 780 € |
| Vorschuss ohne Schuldprüfung: Tod, dauernde Invalidität, Gliedverlust | 35.000 Baht | 910 € |
| Volle Leistung, wenn du nicht schuld bist: Behandlungskosten | bis 80.000 Baht | 2.090 € |
| Volle Leistung: dauernde Invalidität, Gliedverlust | 200.000–500.000 Baht | 5.200–13.000 € |
| Volle Leistung: Tod oder vollständige dauernde Invalidität | 500.000 Baht | 13.000 € |
| Höchstsumme je Person insgesamt | 504.000 Baht | 13.150 € |
Sätze laut Office of Insurance Commission und RVP, gültig in dieser Höhe seit April 2020; umgerechnet nach EZB-Referenzkurs vom 15.08.2026 (1 EUR = 38,32 THB).
Die erste Stufe ist das Nützliche daran. Sie wird ohne Schuldprüfung ausgezahlt, kurzfristig, an jeden Verletzten – Fahrer, Beifahrerin, Fußgänger. Das Krankenhaus rechnet in der Regel direkt ab. Für eine genähte Platzwunde und eine Nacht zur Beobachtung reicht das meistens.
Der Satz, der die Rechnung dreht
Wer den Unfall verursacht hat, bekommt nur die erste Stufe. Die höheren Beträge gelten für Geschädigte, nicht für den Verantwortlichen. Für dich als Fahrer heißt das: Wenn du gestürzt bist, weil du zu schnell warst oder den Bordstein übersehen hast, endet die Leistung der Pflichtversicherung für deine eigenen Verletzungen bei 30.000 Baht.
Dazu kommt ein Muster, das in Thailand jeder Ortskundige kennt und das für dich ungünstig ausgeht: Bei der Schuldzuweisung steht der kleinere Verkehrsteilnehmer schlecht da, und der ausländische Rollerfahrer schlechter als der einheimische Autofahrer. Das ist keine Rechtsnorm, sondern Praxis – aber du planst besser mit ihr als gegen sie.
30.000 Baht sind zwei Nächte in einer privaten Klinik in Chonburi, keine Woche. Ein Bruch, der operiert werden muss, liegt weit darüber. Ein Rücktransport nach Deutschland liegt in einer anderen Größenordnung, und dafür ist ohnehin nicht die thailändische Pflichtversicherung zuständig, sondern deine eigene: Das Auswärtige Amt rät ausdrücklich zu einem Auslandskrankenversicherungsschutz mit Rückholversicherung. Welche vier Punkte im Kleingedruckten darüber entscheiden, ob der greift, steht bei der Krankenversicherung für Thailand.
Der Punkt, den du dort nachschlagen musst, bevor du fährst, ist immer derselbe: Was passiert, wenn die erforderliche Fahrerlaubnis fehlte oder Alkohol im Spiel war? Viele Verträge schließen genau das aus oder kürzen. Ohne Klasse A im Führerschein fährst du dann nicht nur ohne Erlaubnis, sondern auch ohne den Schutz, den du bezahlt hast.
Was die Pflichtversicherung überhaupt nicht kennt
Sachschaden. In keiner Zeile. Nicht das Auto, in das du gefahren bist, nicht der Roller unter dir, nicht das Schaufenster.
Das ist der zweite Betrag, und er kommt vom Vermieter. Er hat deine Kaution, oft eine Passkopie, manchmal – gegen jede Empfehlung – deinen Pass. Er beziffert den Schaden selbst, es gibt keinen Gutachter, und du hast in diesem Moment weder Zeit noch Verhandlungsposition. Deshalb ist das Video von der Übergabe, zu dem der Roller-Artikel rät, kein Misstrauensbeweis, sondern die einzige Fassung der Geschichte, die dir gehört.
Ob das Mietfahrzeug über die Pflichtversicherung hinaus freiwillig versichert ist, weißt du nur, wenn du vor der Fahrt danach gefragt hast. Frag es und lass dir die Police zeigen – die Frage allein sortiert schon, mit wem du es zu tun hast.
Ab hier ist es kein Geldproblem mehr
Solange nur Blech beschädigt ist, geht es um Beträge. Sobald jemand ernsthaft verletzt ist, wechselt die Sache das Rechtsgebiet.
Das thailändische Strafgesetzbuch kennt für Fahrlässigkeit drei Stufen: geringe Körperverletzung (Abschnitt 390, bis zu einem Monat Haft und Geldstrafe bis 10.000 Baht), schwere Körperverletzung (Abschnitt 300, bis zu drei Jahre Haft) und fahrlässige Tötung (Abschnitt 291, bis zu zehn Jahre Haft und Geldstrafe bis 200.000 Baht). Zu den Geldstrafen eine Einordnung, weil im Netz beide Fassungen kursieren: Ein Änderungsgesetz von 2017 hat die Beträge verzehnfacht. Wer irgendwo 20.000 Baht liest, liest eine alte Übersetzung. Entscheidend ist ohnehin nicht die Geldstrafe, sondern die Haft dahinter.
Bei einem tödlichen Unfall folgt daraus ein Ablauf, den der Wochenblitz am 10.06.2026 zusammengefasst hat: Die Polizei darf bis zu 48 Stunden festhalten; danach wird Untersuchungshaft in Zwölf-Tage-Schritten verlängert, bis zu 84 Tage vor Anklageerhebung. Kaution ist möglich, wird bei Ausländern aber regelmäßig höher angesetzt und setzt einen Bürgen oder Anwalt voraus; der Pass bleibt hinterlegt. Ein Ausreiseverbot wird bei schweren Unfällen regelmäßig verhängt und kann Monate dauern.
Parallel dazu läuft die zivilrechtliche Seite: Die Angehörigen können Schadensersatz fordern, und eine außergerichtliche Einigung – auf Thai kha tham khwan, wörtlich etwa Trostgeld – kann das Strafmaß mildern. Bei den leichteren Fahrlässigkeitsdelikten kann eine Einigung mit dem Geschädigten das Verfahren beenden; bei der fahrlässigen Tötung nicht, dort wirkt sie nur strafmildernd.
Dass ein Ausreiseverbot dich erst am Gate erreicht und wie das Kräfteverhältnis dadurch kippt, steht ausführlich bei Angezeigt in Thailand. Die Mechanik ist dieselbe, der Anlass nur ein anderer.
Die Reihenfolge am Unfallort
Das Auswärtige Amt schreibt zu diesem Moment einen einzigen Satz, und der steht mit Grund dort: Bleib ruhig und versuche, Eskalationen zu vermeiden – nach Verkehrsunfällen sind impulsive Reaktionen von Beteiligten bis hin zu Waffengewalt nicht auszuschließen. Was am Straßenrand gewonnen wird, ist nie das Verfahren.
- Aus dem Verkehr, dann Verletzte. Notruf Rettungsdienst 1669, Polizei 191.
- Bei Personenschaden die Polizei kommen lassen. Ohne Polizeibericht wickelt keine Versicherung etwas ab – auch die Pflichtversicherung nicht. Wer sich am Straßenrand einigt und weiterfährt, hat später nichts in der Hand.
- Touristenpolizei 1155 dazuholen. Rund um die Uhr, auf Englisch, ausdrücklich für Ausländer zuständig. Der Anruf kostet nichts und ändert den Ton.
- Fotografieren, bevor aufgeräumt wird. Endlage beider Fahrzeuge, Schäden, Kennzeichen, Straße, Ampel, Zeugen.
- Keine Schuld einräumen, nichts unterschreiben, was du nicht liest. Papiere auf Thai zu unterzeichnen, weil es schneller geht, ist der Fehler, der sich am schwersten zurückholen lässt.
- Nicht bar zahlen, um die Sache zu beenden. Eine Zahlung ohne Beleg schließt nichts ab – wie du eine reguläre Forderung von einer irregulären unterscheidest, steht bei Bargeld ohne Beleg.
- Bei Festnahme oder drohender Festnahme: Botschaft Bangkok, +66 2 182 9000. Früh, nicht als letzter Schritt.
- Vor dem Rückflug klären, ob noch etwas offen ist. Das ist die Frage, die am häufigsten nicht gestellt wird.
Was das praktisch heißt
Die ehrliche Zusammenfassung ist unbequem: Auf einem Mietroller in Thailand bist du im Ernstfall mit 30.000 Baht abgesichert, mit deiner eigenen Krankenversicherung – falls sie zahlt – und ansonsten mit deinem Privatvermögen. Alles darüber hinaus hängt an Papieren, die du entweder vor der Reise besorgt hast oder eben nicht.
Wer die Klasse A im Führerschein hat, den internationalen dazu, eine Police ohne Motorrad-Ausschluss und einen Vermieter mit vorgezeigter Versicherung, fährt mit einem kalkulierbaren Risiko. Wer eines dieser vier Dinge nicht hat, fährt ohne Netz – und merkt es an dem Tag, an dem der Pick-up abbiegt.
Aus meiner Erfahrung
Was mich an diesem Thema stört, ist die Reihenfolge, in der die meisten davon erfahren. Der Roller wird in vier Minuten gemietet, und die Frage nach der Versicherung stellt sich zum ersten Mal in der Notaufnahme. Dabei ist der Punkt, an dem sich noch etwas entscheiden lässt, der Tresen des Vermieters – da kostet die Frage nach der Police eine Minute, und wenn er ausweicht, weißt du genug. Ich halte die 30.000 Baht für die trügerischste Zahl in diesem ganzen Text: Sie klingt nach Absicherung und reicht für zwei Nächte. Und wer keine Klasse A im Schein stehen hat, für den ist die Rechnung sowieso schon fertig, bevor er losfährt.
Quellen und Grundlage: Auswärtiges Amt, Reise- und Sicherheitshinweise Thailand, Abschnitte Verkehr/Infrastruktur und Rechtliche Besonderheiten, abgerufen am 15.08.2026 (Stand der Seite 15.08.2026, inhaltlich unverändert seit 07.07.2026) – für den Anteil der Zweiradfahrer an den Verkehrstoten, die fehlende Versicherung vieler Motorräder, die Führerscheinanforderung und die Empfehlung zum Verhalten nach Unfällen. Office of Insurance Commission (OIC), Übersicht zum Gesetz zum Schutz von Opfern von Kraftfahrzeugunfällen B.E. 2535 (1992), sowie Road Accident Victims Protection Co., Ltd. (RVP), die nach diesem Gesetz eingerichtete Auszahlungsstelle, beide abgerufen am 15.08.2026 – für die Leistungssätze der Pflichtversicherung (Por Ror Bor); die Sätze gelten in dieser Höhe seit April 2020. Gegengeprüft an den Übersichten der Versicherer Roojai und Motorist Thailand, abgerufen am 15.08.2026. Wochenblitz vom 10.06.2026, Beitrag zu strafrechtlichen Folgen tödlicher Verkehrsunfälle für Ausländer – für Fristen der Unt
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