Bargeld ohne Beleg: wenn in Pattaya eine Uniform kassiert
Stand 08/2026 · Pattaya
Der Parkplatz an der Laem Bali Hai im Süden von Pattaya, ein Vormittag im August. Ein Roller wird herausgewunken, fünf oder sechs ähnlich gekleidete Männer stehen herum, einer zeigt auf den Auspuff. Dann geht es in ein Zelt am Rand des Platzes, und dort fällt ein Betrag: 2.000 Baht, rund 52 Euro. Handelbar. Was es nicht gibt, ist ein Zettel.
Genau das hat die Stadt Pattaya am 10. August 2026 selbst zum Fall gemacht. Sechs Personen wurden vom Dienst suspendiert – drei städtische Bedienstete aus dem Ordnungsdienst und drei externe Kräfte, die die Stadt zur Unterstützung angeheuert hatte. Die Vorwürfe: Motorradfahrer, überwiegend Ausländer, seien angehalten, in ein Zelt gebeten und mit Verstößen konfrontiert worden – lauter Auspuff, Rauchen in einer Verbotszone. Verlangt wurden 2.000 bis 3.000 Baht, 52 bis 79 Euro. Ausgestellt wurde nichts.
Drei Fälle in vier Wochen
Der Bali-Hai-Fall ist kein Ausrutscher, sondern der dritte dokumentierte innerhalb eines Monats – und die drei sind unterschiedlich genug, dass sich daran das ganze Thema erklären lässt.
Mitte Juli, echte Polizisten. Eine Gruppe kuwaitischer Urlauber schilderte Reportern am 14. Juli, sie seien über Wochen hinweg zwei- bis fünfmal pro Nacht angehalten worden, jedes Mal mit einer Forderung zwischen 3.500 und 5.000 Baht, also 92 bis 131 Euro. Bezahlt worden sei nicht auf der Wache, sondern an abgelegenen Stellen; kassiert habe ein Mann in Zivil, während die Uniformierten danebenstanden. Die Belege, die sie dafür bekamen, wurden ihnen bei einer späteren Kontrolle von anderen Beamten als gefälscht bezeichnet – woraufhin sie erneut zahlten. Drei namentlich genannte Beamte wurden am 15. Juli auf Innendienst im Einsatzzentrum der Stadtpolizei versetzt, solange die Ermittlungen laufen.
Anfang August, städtischer Ordnungsdienst. Der Fall vom Bali-Hai-Pier. Die Stadt erfuhr nach eigener Darstellung am 9. August davon und ging einen Tag später an die Öffentlichkeit.
Mitte August, gar keine Beamten. In Rayong, keine Autostunde östlich, fuhren nach einem Bericht vom 13. August drei Männer in Uniform mit einem schwarzen Pickup in eine Wohnanlage, gaben sich als Beamte der Einwanderungsbehörde aus und verlangten von chinesischen Bewohnern 2.000 Baht für eine Spendendose. Aus Häusern, in denen gerade niemand war, verschwanden Gegenstände. Ein Bewohner erstattete Anzeige. Einen vergleichbaren Fall mit gefälschter Spendenaktion gegen ausländische Anwohner hatte es im Dezember auf Phuket gegeben; dort wurden zwei Männer festgenommen.
Drei Fälle, drei verschiedene Gruppen von Menschen in Uniform – und für dich am Straßenrand sehen alle drei gleich aus.
Wer dich anhalten darf, und wer dich bestrafen darf
Das sind zwei verschiedene Fragen, und darin liegt der ganze Punkt.
In Pattaya begegnen dir mindestens vier Sorten Uniform: die reguläre Polizei einschließlich Verkehrspolizei, die Touristenpolizei, die Einwanderungsbehörde und der städtische Ordnungsdienst – auf Thai thetsakit, in englischen Berichten meist „city law enforcement". Dazu kommen private Kräfte, die von der Stadt für Ordnungsaufgaben zugekauft werden und dabei ähnlich aussehen. Am Bali-Hai-Pier war genau diese Mischung im Einsatz.
Zur Befugnisfrage hat sich die Stadt Pattaya in diesem Fall selbst geäußert. Ihr Ständiger Sekretär Kiattisak Sriwongchai stellte klar: Die städtischen Ordnungskräfte dürfen in bestimmten Fällen festhalten – Geldbußen verhängen dürfen sie nicht. Wer dazu befugt ist, etwa die Verkehrspolizei, muss einen Beleg ausstellen, der sich bei der zuständigen Stelle überprüfen lässt. Lärm durch veränderte Auspuffanlagen falle ohnehin in die Zuständigkeit der Verkehrspolizei und des Verkehrsministeriums, nicht der Stadt. Die Stadt entschuldigte sich öffentlich bei Touristen und Anwohnern, kündigte eine Untersuchungskommission an und will binnen etwa zwei Wochen ein Ergebnis vorlegen; bei bestätigtem Fehlverhalten sollen Strafanzeige und Disziplinarverfahren folgen. Hinweise nimmt die Stadt über ihre Beschwerdenummer 1337 entgegen.
Dieselbe Trennung gilt eine Ebene höher: Auch die Polizei kassiert bei vielen Vorwürfen nicht an Ort und Stelle. Ein dokumentierter Fall aus Pattaya, in dem ein Beamter 60.000 Baht für mitgeführte E-Zigaretten forderte und sich auf 30.000 herunterhandeln ließ, ist bei den Regeln zu Vape und Rauchverbot beschrieben – dort steht auch die rechtliche Einordnung dazu: Für ein Bußgeld vor Ort fehlte die Zuständigkeit, das Verfahren hätte über das Gericht laufen müssen.
Der Beleg ist die ganze Prüfung
Du wirst am Straßenrand nicht klären, welche Behörde welche Uniform trägt und welcher Paragraf gerade gilt. Du brauchst das auch nicht. Es gibt eine Frage, die in allen drei Fällen funktioniert hätte:
Gibt es einen Beleg, und darf ich auf der Wache zahlen?
Ein reguläres Verwarnungsgeld wird quittiert, und die Quittung lässt sich nachprüfen. Wo kein Beleg ausgestellt wird, ist die Zahlung keine Strafe – egal, wer sie verlangt. Und wo jemand darauf besteht, dass ausgerechnet hinter dem Zelt oder an einer abgelegenen Stelle abgerechnet wird statt auf der Wache, ist das dieselbe Auskunft in anderer Form.
Das Auswärtige Amt beschreibt in seinen Hinweisen zu Thailand (Stand der Seite 13.08.2026) den Hintergrund ungewöhnlich deutlich: In vielen Touristenhochburgen sei die Zusammenarbeit von Banden mit korrupten Polizeibeamten keine Seltenheit; Touristen werde dabei unterstellt, gemietete Jetskis oder Motorroller beschädigt zurückgegeben oder Bagatelldelikte begangen zu haben, um Geld zu erpressen. Und weiter, als Handlungsanweisung: In Fällen möglicher Erpressung unter Beteiligung korrupter Polizisten unverzüglich die deutsche Botschaft in Bangkok kontaktieren.
Was das nicht heißt
Es heißt nicht, dass Uniformen in Pattaya grundsätzlich ein Problem sind. Die weit überwiegende Zahl der Kontrollen ist genau das: eine Kontrolle. Wie normale Kontrollen ablaufen, steht bei den Razzien in Bars – Ausweis zeigen, Nummer aufschreiben lassen, weitergehen.
Es heißt auch nicht, dass die Vorwürfe erfunden sind. Rauchen ist an Stränden in Pattaya tatsächlich verboten. Ein veränderter Auspuff ist tatsächlich ein Verstoß, und wer ohne die passende Führerscheinklasse fährt, hat tatsächlich ein Problem – nachzulesen bei Roller in Pattaya. Genau darin liegt die Mechanik: Der Vorwurf muss nicht konstruiert werden, er stimmt oft. Was nicht stimmt, ist die Abwicklung.
Und es heißt nicht, dass Wegfahren oder Diskutieren eine Option ist. Beides macht aus einer Geldfrage eine andere Sorte Problem.
Wenn es dich trifft
- Ruhig bleiben, Motor aus, Papiere zeigen. Ausländer sind verpflichtet, ihre Ausweise mitzuführen; nach den Hinweisen des Auswärtigen Amts genügt eine Passkopie, wenn die Seite mit Visum beziehungsweise Einreisestempel dabei ist. Kontrolliert wird laut derselben Quelle häufig, ausdrücklich auch in Pattaya.
- Nach dem konkreten Vorwurf fragen – welcher Verstoß, welche Vorschrift.
- Nach dem Beleg fragen, freundlich, ohne Vorwurf. Ein Satz reicht: „Ich zahle gern, aber ich brauche eine Quittung."
- Auf die Wache verweisen. Wenn es eine Sache für die Polizei ist, lässt sie sich dort erledigen.
- Nicht in ein Zelt, nicht an eine abgelegene Stelle mitgehen, wenn es sich vermeiden lässt. Bleib, wo andere Menschen sind.
- Wenig Bargeld dabeihaben. Wer nicht nachlegen kann, wird nicht nachlegen. Das Auswärtige Amt empfiehlt ohnehin, nur das für den Tag benötigte Bargeld mitzunehmen.
- Danach melden. Touristenpolizei 1155, rund um die Uhr und auf Englisch; die Stadt Pattaya unter 1337; bei Erpressungsverdacht mit Polizeibeteiligung die deutsche Botschaft in Bangkok. Beide Pattaya-Fälle dieses Sommers sind durch Beschwerden ins Rollen gekommen, nicht durch Zufall.
Aus meiner Erfahrung
Mir fällt an diesen drei Fällen vor allem auf, wie wenig es am Ende auf die Frage ankommt, ob da echte Beamte standen oder nicht. In Rayong waren es wohl keine, am Bali-Hai-Pier städtische Kräfte, im Juli Polizisten – und der Ablauf war jedes Mal derselbe: abseits, bar, ohne Zettel. Deshalb halte ich nichts davon, sich Uniformen und Abzeichen einzuprägen; ich merke mir lieber die eine Frage nach der Quittung, weil sie in allen drei Situationen funktioniert hätte. Was ich der Stadt zugutehalte: Sie hat den Fall selbst öffentlich gemacht, statt ihn auszusitzen. Und was mich daran stört, ist der Rest der Rechnung – wer 2.000 Baht zahlt, um weiterfahren zu können, zahlt sie fast immer, weil ihm niemand gesagt hat, dass er es nicht muss.
Quellen und Grundlage: The Pattaya News, „Pattaya City Suspends Six Officials Over Alleged Unofficial Fines Demanded from Tourists at Bali Hai Pier", vom 10.08.2026; Thaiger, „6 Pattaya officials suspended for collecting unofficial fines from foreigners", vom 10.08.2026; Khaosod English, „Pattaya suspends six staff over alleged tourist money demand", vom 10.08.2026 – für den Fall am Bali-Hai-Pier und die Stellungnahme des Ständigen Sekretärs der Stadt. The Pattaya News, „Kuwaiti Tourists Allege Extortion by Pattaya Police Over Traffic Fines, Sparking Investigation and Officer Transfers", vom 15.07.2026, sowie Thaiger, „Kuwaiti tourists question legitimacy of repeated Pattaya traffic fines" und „Three Pattaya officers transferred over Kuwaiti tourists' complaint", beide Mitte Juli 2026 – für die Versetzung der drei Beamten. Thaiger, „Immigration officers allegedly extort Chinese residents with fake donation campaign", vom 13.08.2026 – für den Fall in Rayong. Auswärtiges Amt, Reise- und Sicherheitshinweise Tha