Vier von fünf kamen aus Thailand: der Tripper, gegen den das Standardmittel nicht mehr wirkt

Stand 08/2026 · Thailand

Es fängt zwei bis sechs Tage nach der Nacht an, um die es geht: Brennen beim Wasserlassen, dann Ausfluss. Meistens sitzt du dann schon wieder in Deutschland. Und meistens ist die Sache mit einer Spritze erledigt.

Bei fünf Männern war sie das im vergangenen Jahr nicht mehr ohne Weiteres. Das Robert Koch-Institut hat ihre Fälle im März 2026 im Epidemiologischen Bulletin ausgewertet. Vier von fünf hatten sich sehr wahrscheinlich in Thailand angesteckt.

Fünf Fälle, vier davon Thailand

Die Nachweise fielen zwischen Mai und Dezember 2025 an, verteilt über mehrere Bundesländer. Alle Betroffenen waren Männer zwischen 23 und 50 Jahren, alle hatten Beschwerden an der Harnröhre, alle hatten eine Reise nach Asien hinter sich. Vier Infektionen wurden nach Einschätzung des RKI bei heterosexuellem Kontakt in Thailand erworben, eine in China.

Das Besondere war der Erreger. Er war unempfindlich gegen Ceftriaxon – das Mittel der ersten Wahl – und gegen Cefixim, das Ausweichmittel. Behandelt werden konnten am Ende alle. Aber nicht, weil das Standardvorgehen griff, sondern weil die gemessene Unempfindlichkeit im unteren Bereich lag und in vier Fällen hoch dosiert wurde, mit ein bis zwei Gramm.

Fünf Fälle sind keine Epidemie, und dieser Text behauptet das auch nicht. Für die Statistik ist die Zahl klein. Für den Einzelnen ist sie egal: Entweder du hast so einen Stamm oder nicht.

Was sich in Thailand geändert hat

Thailand überwacht Gonokokken-Resistenzen seit 2003. Bis 2023 fand dieses Programm keinen einzigen ceftriaxonresistenten Stamm. 2023 waren es die ersten zwei, beide mit demselben veränderten Genabschnitt, penA-60. 2025 kamen weitere hinzu – beschrieben in der Juni-Ausgabe 2026 von Emerging Infectious Diseases, dem Fachjournal der US-Gesundheitsbehörde CDC.

In Deutschland sieht die Lage anders aus. Im Resistenz-Sentinel des RKI lagen 2024 die Anteile bei 1,6 Prozent für Ceftriaxon und 3 Prozent für Cefixim. Bei Azithromycin waren es 16,7 Prozent, nach 25,5 Prozent im Jahr zuvor. Der Satz, auf den es hier ankommt, steht in derselben Auswertung: Ceftriaxonresistente Isolate treten überwiegend im Zusammenhang mit Reisen auf.

Woran du es merkst – und woran nicht

Die Inkubationszeit liegt laut RKI-Ratgeber zwischen einem und vierzehn Tagen. Die meisten infizierten Männer bekommen nach zwei bis sechs Tagen deutlichen Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen. Bei zehn bis dreißig Prozent passiert gar nichts.

Zwei Punkte werden dabei regelmäßig falsch eingeschätzt:

  • „Sie hatte nichts" ist keine Information. Bei Frauen bleibt die Infektion deutlich häufiger unbemerkt als bei Männern. Wer sich darauf verlässt, verlässt sich auf ein Symptom, das oft gar nicht auftritt.
  • Der Rachen zählt mit. Nach dem RKI-Ratgeber ist er in etwa fünf Prozent der Fälle der einzige Infektionsort und bei fünf bis fünfundzwanzig Prozent mitbetroffen – und er tut in der Regel nicht weh.

Wenn du Beschwerden hast, wartest du auf kein Zeitfenster. Dann gehst du zum Arzt, und zwar mit Symptomen und nicht mit einem Termin in zwei Wochen.

Der Apothekenweg ist der teuerste

In Thailand sind die meisten Antibiotika als „dangerous drugs" eingestuft. Das heißt: Sie müssen über eine Apotheke und einen Apotheker laufen, ein Rezept brauchst du dafür nicht. Der Weg ist also offen, er ist kurz, und er wird oft gegangen – vor allem, weil er die Sache scheinbar erledigt, ohne dass jemand Fragen stellt.

Er kostet dich drei Dinge auf einmal.

Erstens greift ausgerechnet der naheliegende Wirkstoff am schlechtesten: Azithromycin ist der Stoff mit dem mit Abstand höchsten Resistenzanteil. Zweitens kann eine halb behandelte Infektion still werden, ohne weg zu sein – die Beschwerden verschwinden, der Erreger bleibt. Drittens, und das ist der eigentliche Schaden: Nach einer Antibiotikagabe wächst in der Kultur nichts mehr. Genau diese Kultur ist aber der Test, der klärt, gegen welches Mittel dein Erreger unempfindlich ist. Das ist die eine Untersuchung, die bei einem Stamm aus Asien über die Behandlung entscheidet, und du machst sie mit einer Tablette unmöglich.

Was du in thailändischen Apotheken sonst bekommst und was davon auf dem Rückweg zum Problem wird, steht bei den Medikamenten für Thailand.

Wann testen – und worauf

Ein Test zu früh ist ein Test umsonst. Die Richtwerte:

Infektion Verfahren Sinnvoll ab
Gonokokken, Chlamydien Abstrich oder Urinprobe (NAAT) in den ersten Tagen noch nicht verlässlich, Richtwert ein bis zwei Wochen
Syphilis Antikörpertest in der Regel sechs Wochen nach dem Kontakt
HIV Labortest sechs Wochen; Schnelltest zwölf Wochen

Bei Verdacht auf eine sehr frühe Syphilis sieht die Leitlinie zusätzlich einen IgM-Test und eine Wiederholung nach zwei Wochen vor. Und getestet wird dort, wo Kontakt war: Eine Urinprobe deckt die Harnröhre ab, mehr nicht. Für Rachen und Enddarm braucht es eigene Abstriche – sonst bleibt der Befund unauffällig und die Infektion trotzdem da.

Was in den ersten 72 Stunden nach einem Risiko läuft, ist eine andere Baustelle und steht in 72 Stunden, dann ist der Zug weg. Die Notfallbehandlung gegen HIV deckt bakterielle Geschlechtskrankheiten nicht ab.

Die drei Sätze beim Arzt

Sag, dass du in Thailand warst. Sag, wann. Sag, welche Art von Kontakt es gab.

Das klingt banal und ist der ganze Unterschied. Die Reiseanamnese entscheidet darüber, ob vor der Behandlung ein Abstrich für Kultur und Empfindlichkeitstestung genommen wird oder ob nur nach Standard verordnet wird. Bei unbekannter Empfindlichkeit sieht der DSTIG-Leitfaden Ceftriaxon – ein bis zwei Gramm einmalig – zusammen mit Azithromycin 1,5 Gramm vor. Der Abstrich für die Kultur wird davor genommen, auch wenn sofort behandelt wird.

Der zweite Termin ist der, den die meisten vergessen: die Kontrolle vier Wochen nach der Behandlung. Bei einem Erreger, der aus einer Region mit anderer Resistenzlage kommt, ist das kein Formalismus, sondern die einzige Stelle, an der du erfährst, ob es funktioniert hat.

Es hört nicht bei dir auf

Im Oktober 2025 hat das Fachblatt Eurosurveillance vier Fälle aus Deutschland beschrieben, die ohne Auslandsbezug übertragen wurden – die Betroffenen waren also gar nicht verreist. Es handelte sich um heterosexuelle Männer von Ende Teenageralter bis Mitte sechzig. Drei der Erreger gehörten demselben Typ an, mit demselben veränderten Genabschnitt penA-60.001, und waren mit einem 2024 in Großbritannien nachgewiesenen hochresistenten Stamm verwandt.

Das ist der Punkt, an dem das Thema aufhört, eine Urlaubssache zu sein. Der Erreger kommt inzwischen nicht mehr nur mit dem Flugzeug. Wer nach der Reise Kontakt hatte, sagt es der betreffenden Person – nicht als Geste, sondern weil deren Test sonst nie stattfindet.

Für alles Grundsätzliche zu Schutz, Tests und Apotheken vor Ort siehe Gesundheit und Schutz.

Resistenzlagen und Therapieempfehlungen ändern sich, teils innerhalb weniger Monate. Verbindlich sind der RKI-Ratgeber Gonorrhö in seiner jeweils aktuellen Fassung und das, was dir eine Ärztin oder ein Arzt nach Untersuchung sagt. Dieser Text ersetzt das nicht.

Aus meiner Erfahrung

Der Arzt in Deutschland fragt nicht von selbst nach Thailand. Daran hängt aber, ob ein Abstrich in die Kultur geht oder ob nur schnell das Übliche verordnet wird – und bei vier von fünf Fällen im RKI-Bericht war Thailand die Antwort auf genau diese Frage. Der zweite Punkt ist die Apotheke hier vor Ort: Antibiotika bekommt man ohne Rezept, und deshalb gehen viele gar nicht erst zum Arzt. Wer das macht, nimmt sich die Möglichkeit, hinterher zu wissen, was er hatte. Ich würde den Weg umdrehen und den Termin lieber zu Hause machen, mit dem Satz vorweg, wo ich war.

Quellen und Grundlage: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 13/2026 vom 26.03.2026 – für die fünf zwischen Mai und Dezember 2025 in mehreren Bundesländern nachgewiesenen Fälle mit hochresistenten Gonokokken (XDR bzw. MDR), für Alter (23 bis 50 Jahre) und Geschlecht der Betroffenen, für die symptomatische Urethritis, für die vermutliche Erwerbung von vier Fällen bei heterosexuellem Kontakt in Thailand und eines Falls in China, für die Resistenz gegen Ceftriaxon und Cefixim sowie für den erfolgreichen Behandlungsausgang bei hoher Dosierung. RKI-Ratgeber Gonorrhö (Tripper) – für Inkubationszeit von 1 bis 14 Tagen, für den Verlauf bei Männern (Ausfluss und Dysurie meist nach 2 bis 6 Tagen), für den asymptomatischen Anteil von 10 bis 30 Prozent bei infizierten Männern und für die Angaben zur Racheninfektion (in etwa 5 Prozent einziger Infektionsort, bei 5 bis 25 Prozent mitbetroffen, in der Regel symptomlos). RKI, Gonokokken-Resistenzsurveillance Go-Surv-AMR, Auswertung 2024, wiedergegeben im Deutsche

Hinweis: Erfahrungswissen, keine Rechts-, Steuer- oder verbindliche Visa-Beratung. Regeln ändern sich – prüfe Entscheidendes im Zweifel bei einer offiziellen Stelle.

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